Marketing

Die Zukunft der Gästegewinnung und -bindung in der Gastronomie

Im Tages Anzeiger bin ich auf den folgenden Artikel gestossen: “Gastronomen kritisieren Schnäppchenportale“. Die harsche Kritik von Gastrosuisse an den Onlineplattformen wie Groupon, Dein Deal oder Daily Deal finde ich interessant und wirft bei mir Fragen auf. Aus meiner Sicht ist die Kritik nicht gerechtfertigt. Für mich ist klar, auch ein Schnäppchenportal hat seine Berechtigung. Hier stellt sich die Frage: Unterstützt der Verband die Gastronomen bei der Aufklärung oder der Umsetzung der heutigen Vermarktungsmöglichkeiten? Am Ende des Tages sind es nur zufriedene Gäste welche die Kasse klingeln lassen. Und genau diese  Gäste interessiert es welches Ambiente sie erwartet, welches Angebot für sie bereit steht und welche Art von Gästen er antreffen wird. Also wie erlange ich die Aufmerksamkeit meiner Zielgruppe?

Die Vermarktungsmöglichkeiten sind riesig. Heute ist es nicht mehr der Gastroführer oder die  Lokalzeitung die helfen sich optimal zu vermarkten und zu positionieren. Der einfachste und schnellste Weg neue Gäste anzusprechen ist sicherlich das Schnäppchenportal. Einig bin ich mit dem Gastrosuisse, dass diese Vermarktung nicht nachhaltig sein wird. Es kann bestimmt nicht schaden einmal eine solche Aktion zu starten. Es gilt jedoch viel mehr die Frage, wie erreiche ich die übrigen Gäste?

Das Einfachste und Beste ist immer noch die Weiterempfehlung und die hat sich in der Form von Social Media weiterentwickelt, vereinfacht und Global vernetzt. Jeder hat heute die Möglichkeit sich im Vorfeld über ein Lokal zu informieren oder nach dem Besuch dieses öffentlich zu Bewerten und zu Kommentieren. Heute findet die Suche nach einem Lokal und die Weiterempfehlung im Internet statt. Denn falls Sie es noch nicht bemerkt haben, über Sie wird im Social Web schon gesprochen oder es wird bei Ihnen eingecheckt auch wenn Sie nicht dabei sind.

Das Smartphone hat seinen Beitrag zu dieser Entwicklung beigetragen. Laut einer neuen Studie haben schon 96% der Smartphone Nutzer Suchanfragen über Ihr Mobiltelefon getätigt. Bei 91% der Suchanfragen handelt es sich um Lokale Informationen wie Öffnungszeiten, Restaurants, Events etc. Heute besitzten 43% der Schweizer Handynutzer ein Smartphone.

Laut dieser Studie wird Ihre Zielgruppe heute und in Zukunft vor allem via Social Web mit integriertem Local Base Service angesprochen. Somit bin ich mit meinem Wunsch mich im Vorfeld zu informieren, was mich erwartet, nicht alleine. Also liebe Gastronomen es ist an der Zeit sich mit dem Thema Social Web auseinander zu setzen und nicht Kritik zu üben. Ich behaupte 80% der gesamten Branche inkl. der Verband kennt die Möglichkeiten von Social Web nicht Ebenso wenig wie die Vorteile die es bietet. Oder wieso findet man z.B. auf Foursquare oder Yelp fast keine Standorte die Angebote für Stammkunden, Neukunden oder Schnäppchenjäger zeigen und das erst noch ohne Kommission? Wer informiert seine Gäste via Facebook oder Twitter über Events oder das Menü? Meiner Meinung nach hat die Zukunft der Gastronomie was die Möglichkeiten in Sachen Kommunikation, Gästegewinnung und -bindung angeht, noch längst nicht begonnen.

Tagged , , , ,

About Roman Niederberger

Apple Evangelist Social Media Enthusiast Business Developer, Kreativer Ideenfinder, Innovativer Querdenker, Hobby Jogger

View all posts by Roman Niederberger →

One Comment

  1. juergwyss20. August 2012 at 10:26Reply

    Hallo Roman
    Ich gehe fast, aber nicht ganz einig mit Dir.

    Persönlich würde ich Schnäppchenportale meiden wie der Teufel das Weihwasser. Es geht nicht nur darum, dass diese Kunden nicht nachhaltig sind, sondern auch darum, dass eine grosse Chance besteht, dass ich Stammgäste verärgere. Weil diese den normalen Preis bezahlen, aber auch, weil ich mir Gäste ins Lokal hole, die nicht zu Stammkundschaft passen.

    Social Media ist tatsächlich eine grosse Chance, für die, die es richtig machen. Nur leider gehen es die meisten Betriebe falsch an. Sie setzen auf Verkaufen und wollen mit allen Mitteln neue Kunden gewinnen. Aus meiner Sicht der falsche Weg. Zunächst sollen sie sich um die heutigen Gäste kümmern und SoMe dazu nutzen, diesen einen Zusatznutzen zu stiften. Erst in einer zweiten Phase wird daraus ein Verkaufen.

    Homepages sind immer noch notwendig, aber der Einsatz mobiler Geräte wird total vernachlässigt. Dabei geht es nicht darum, einfach nur eine “mobile Webseite” zu haben, sondern darum, lokale Ortungsdienste zu nutzen. Sobald ein potentieller Kunde in die Nähe kommt, sollte der das Lokal finden und allenfalls sogar mittels Rabatt (die sind nicht immer falsch) ins Restaurant gelockt werden.

    Insofern bin ich mit Dir einig, dass der Verband den Betrieben helfen sollte, richtig mit diesen neuen Medien umzugehen. Dann, erst dann, kann er punktuell Services wie Groupon usw. verurteilen. So aber kann daraus eine allgemeine Ablehnung dieser medien entstehen, die für die Gastronomie absolut schädlich wäre.

    Mit freundlichen Grüssen
    ¨Jürg Wyss